Wem schenken wir eigentlich das Beste?
Dem Menschen, der schon alles hat – oder dem, der fast nichts hat?
Diese Frage hat mich beschäftigt.
Wenn jemand wenig besitzt, geben wir ihm häufig unsere aussortierte Kleidung. Dinge, die wir nicht mehr tragen. Lebensmittel, die übrig geblieben sind. Möbel, die wir ohnehin ersetzen wollten.
Und wir nennen es Großzügigkeit.
Doch wenn ein wohlhabender oder einflussreicher Mensch Geburtstag hat, passiert etwas Interessantes:
Wir überlegen lange.Wir suchen etwas Besonderes.Wir achten auf Qualität.Wir geben Geld für Dinge aus, die wir uns selbst vielleicht nicht einmal gönnen würden.
Dabei braucht dieser Mensch unser Geschenk wahrscheinlich viel weniger.
Dem Bedürftigen geben wir, was wir nicht mehr brauchen.Dem Wohlhabenden geben wir das Beste, was wir uns leisten können.
Warum?
Vielleicht, weil Schenken nicht immer so selbstlos ist, wie wir glauben.
Bei Menschen, von denen wir uns nichts versprechen, genügt uns häufig das Gefühl: Ich habe geholfen.
Bei Menschen mit Status, Einfluss oder Bedeutung investieren wir dagegen mehr. Denn bewusst oder unbewusst kann mit dem Geschenk auch etwas anderes verbunden sein:
Anerkennung. Nähe. Zugehörigkeit. Eine Beziehung. Vielleicht sogar die Hoffnung, irgendwann selbst etwas zurückzubekommen.
Das macht ein Geschenk nicht automatisch unehrlich.
Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen.
Denn manchmal geben wir einem Menschen nicht das, was er verdient oder benötigt, sondern das, was seinem gesellschaftlichen Wert in unseren Augen entspricht.
Und genau hier wird es unbequem.
Vielleicht besteht echte Großzügigkeit nämlich nicht darin, Dinge weiterzugeben, die für uns ohnehin keinen Wert mehr haben.
Vielleicht zeigt sie sich erst dann, wenn das Geben uns tatsächlich etwas kostet.
Wenn wir etwas Gutes abgeben.Etwas, das wir selbst gerne behalten hätten.Ohne Publikum.Ohne Anerkennung.Ohne strategischen Nutzen.
Und vor allem:
an einen Menschen, der uns dafür wahrscheinlich niemals etwas zurückgeben kann.
Vielleicht sollten wir uns deshalb beim nächsten Geschenk nicht nur fragen:
„Was kann ich geben?“
Sondern:
„Würde ich diesem Menschen dasselbe geben, wenn er reich, mächtig oder wichtig wäre?“
Die Antwort könnte mehr über uns erzählen als das Geschenk selbst.
Was denken Sie: Wo endet Hilfe – und wo beginnt echte Großzügigkeit?





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